Im Juli – Nachtrag

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Im Juli
wird es mir zu viel
steig ich aus
mach mich still davon
auf hitzemüden Pfaden
wegwartengesäumt.

Im Juli
spiel ich nicht mehr mit
einmal mehr
begrab ich März-April-Mai-Juni-Träume
unter verblühten Linden
im Hochsommerstaub.

Im Juli
vergieß ich Tränen
um verstummenden Vogelgesang
sehn mich nach Schmetterlingsflug
trete ihn nicht an
mag den Preis nicht bezahlen.

Im Juli
bin ich nicht zuhaus
trauere um Nichtgewesenes
verlange trotzig meinen Frühling zurück
nehme der Sonnenblume ihr Lachen krumm
und spinne Herbstgedanken.

© Bettina Johl

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Frohe Weihnachten und alles Gute für 2018!

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Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend –
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Johann Wolfgang von Goethe

Allen FreundInnen von Betty’s Büchergarten
wünschen wir gesegnete Festtage
und ein gutes Neues Jahr 2018!

Bettina Johl und Dieter Kaltwasser

Rosen & Rilke

Sommer: für etliche Tage
Begleiter der Rosen zu sein;
was um erblühende Seelen
weht, das atmen wir ein.
Sehen in jeder, die stirbt,
eine Vertraute,
entschwundene Schwester, die wir
unter anderen Rosen überdauern.

Rainer Maria Rilke

Wo ist zu diesem Innen
ein Außen? Auf welches Weh
legt man solches Linnen?
Welche Himmel spiegeln sich drinnen
in dem Binnensee
dieser offenen Rosen,
dieser sorglosen, sieh:
wie sie lose im Losen
liegen, als könnte nie
eine zitternde Hand sie verschütten.

Sie können sich selber kaum
halten; viele ließen
sich überfüllen und fließen
über von Innenraum
in die Tage, die immer
voller und voller sich schließen,
bis der ganze Sommer ein Zimmer
wird, ein Zimmer in einem Traum.

Rainer Maria Rilke

Rose, oh reiner Widerspruch,
Lust,
Niemandes Schlaf zu sein
unter soviel Lidern.

Rainer Maria Rilke

Fotos: © Bettina Johl