Japanische Gärten en miniature

Es gibt Gärten, die nicht zum Begehen gemacht sind. Traditionelle japanische Hof- oder Binnengärten entstanden unter dem Aspekt der Miniaturisierung, einem wesentlichen japanischen Prinzip, dass auch in zahlreichen anderen Designformen Ausdruck gefunden hat. Diese quadratischen ostasiatischen Gärten haben die Größe zweier Seite an Seite liegender tatami-Matten und dienen rein der Betrachtung, Bewunderung und Kontemplation. Sie verkörpern das Prinzip eines Mikrokosmos der Natur und besitzen die unterschiedlichsten Gestaltungsansätze. Beschränkung auf einige wenige, sorgfältig ausgesuchte Elemente lassen die Natur in das Wohnumfeld einfließen. Fein geschliffene Wasserspiele, ein behauener oder natürlicher Fels, eine Blüte, geharkter Kies. Es sind winzige Gärten, denen es zwar am kostbaren Boden mangelt, die jedoch in ihrer Reduziertheit ästhetisch viele große zu übertreffen vermögen. Michael Freeman, ein Spezialist für asiatische Kunst und Gartengestaltung, hat das künstlerische Wesen dieser Miniaturgärten in puristischen Fotos eingefangen.

Dieter Kaltwasser

Michael Freeman „Winzig kleine Gärten – Von der Faszination japanischer Innenhöfe“, Deutsche Verlagsanstalt 2008, 224 Seiten.

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Ein Garten der Erinnerung – Karl Foerster

Phlox 'Rosa Spier' 16-08-2005 20.07.42

Image via Wikipedia

Leben und Wirken Karl Foersters

In sechster Auflage ist es 2009 erschienen, das Buch von und über Karl Foerster, des berühmten Potsdamer Staudenzüchters, das den Titel „Ein Garten der Erinnerung“ trägt und vor fast dreissig Jahren bereits einmal im Berliner Union Verlag erschienen ist. Es beinhaltet einzelne Kapitel aus Foersters zahlreichen Publikationen, Auszüge aus Briefen und privaten Aufzeichnungen, Erinnerungen vom Vater, Bruder und vieler Zeitgenossen des Philosophen unter den Staudenzüchtern und professionellen Gärtnern. Sein Satz „Das Leben ohne Phlox ist ein Irrtum“ wurde zum geflügelten Wort unter Gartenliebhabern. Das Buch jedoch weiß noch um eine andere Bedeutung des Wortes: Es gibt eine Phloxsorte, bei der Foerster ein einziges Mal von seinem Grundsatz abwich, Neuzüchtungen nie den Namen bekannter oder nahe stehender Menschen zu geben. Sie wuchs in den Jahren um 1930 in seinem Bornimer Garten, und er gab dieser leuchtend lachsroten Flammenblume den Namen seiner Ehefrau „Eva Foerster“. Unter den vielen Künstlern und Schriftstellern, Theologen und Forschern, mit denen Foerster während seines langen Lebens (1874-1970) in engem Kontakt stand, finden wir auch den großen, solitären Rudolf Borchardt, dessen Blumenbuch Der leidenschaftliche Gärtner, ein letzter Ausdruck seiner Kulturvision, erst posthum erscheinen konnte. Im Sommer 1941 schrieb er an Karl Foerster aus völliger existenzieller Isolation: „Dass ich nach Ihnen verlange, liegt daran, dass ich den furchtbaren Weltmoment mir habe ins Herz treten fühlen wie eine Thrombose, und an ihm zu ersticken drohe, wenn nicht zu mir ein Bruder tritt.“ Karl Foerster war ihm ein solcher Bruder, ihm und vielen anderen. Davon zeugt dieses besondere Buch von und über eine ungewöhnliche Persönlichkeit, die man getrost eine der „bescheidenen Weltberühmtheiten“ nennen darf.

@ Dieter Kaltwasser

Ein Garten der Erinnerung – Leben und Wirken von Karl Foerster. Herausgegeben von Eva Foerster und Gerhard Rostin, Ulmer 2009, 478 Seiten